Aktuelles
myself e. V. ist umgezogen!
Unsere neue Adresse:
- Mittwoch, 1. Februar
16:30 Uhr
Informationsgespräch
für neue Mitglieder
und Interessenten
18:00 Uhr
Plauderabend
Gäste sind willkommen.
30. Juni 2011
myself e. V. wird von PHINEO für soziale Investoren empfohlen.
- Öffnungszeiten des Kontaktbüros
Mo - Fr: 11 - 14 Uhr
Do: bis 16 Uhr
Telefon:
0711 - 94 54 89 64
10 Millionen Erwerbslose
Rede zum 5. Geburtstag von myself, am 10. Oktober 2009,
im Saal des Naturkundemuseums Stuttgart
Was ich zu myself noch sagen wollte ...
10 Millionen Erwerbslose -
und 33 davon trauten sich, eine Idee umzusetzen, nämlich
den anderen Umgang mit der Erwerbslosigkeit
zu wagen
Keiner von diesen Gründern und natürlich auch Gründerinnen hatte eine Ahnung, was daraus wird!
Heute, nach fünf Jahren, im Rückblick, ist festzustellen
Was Besseres hätte ihnen nicht einfallen können, und
man muss einfach gratulieren zu dem Mut,
diese Idee umzusetzen
Die entscheidenden Voraussetzungen,
die das möglich machten, waren auf ihrer Seite.
Alle kamen aus dem selben Unternehmen,
das heißt, sie brachten ein wenig Stallgeruch mitAlle waren in einer Transfergesellschaft und lernten sich dort näher kennen in diversen kleinen und großen Gruppen und
Sie erkannten, dass sie nach der Transfergesellschaft in die Vereinzelung gehen würden und damit jegliche entstandene, gegenseitige Unterstützung vorbei wäre
Die Idee war geboren.
Wie aber sollte der andere Umgang mit der Erwerbslosigkeit aussehen?
Welche Inhalte wollte man haben?
Was sollte das Wesentliche werden?
Schauen wir uns erst den Normalfall an
Eine Kündigung wird ausgesprochen.
???? Was prasselt da alles auf den Betroffenen ein?
Wer jung und gut qualifiziert ist, hat vielleicht gleich wieder einen Arbeitsplatz.
Wer älter ist, .....
da kommen sicher mulmige Gefühle und bisher ungekannte Fragen.
Denn die Medien berichteten in den letzten 15 Jahren immer über das Ansteigen der Erwerbslosigkeit, und dass Ältere schwer vermittelbar sind; heute beginnt älter sein schon fast bei 40 LebensjahrenDie Gespräche am Stammtisch jedoch haben den Tenor "wer arbeiten will, bekommt Arbeit". Alle anderen sind Drückeberger oder Faulenzer, die dem lieben Gott den Tag stehlen.
Was wird die Familie dazu sagen, wenn sie sich plötzlich einschränken muss
Was ist, wenn es keinen Job mehr gibt und Hartz IV droht
Wie geht man mit dem Arbeitsamt um?
Und vieles mehr ....
Die Erfahrungen mit der Agentur für Arbeit sind
Man wird ein Kunde mit Kundennummer
Man hat einen persönlichen Betreuer, der wenn es schlecht läuft, oft wechselt
Wenn es ganz gut geht, hat die Agentur Adressen mit offenen Stellen, die zu der Person passen
Wenn nicht, ist haufenweise Eigeninitiative angesagt, auf allen Gebieten und das ohne jegliches Vorwissen auf diesem Gebiet
Und das ALG I läuft für die meisten Betroffenen nur 12 Monate
Mit alledem sind die Betroffenen, wenn sie nach Hause gehen dann alleine gelassen.
Sie haben keine Kollegen mehr, mit denen sie reden können, fragen wie dies oder jenes geht.
Und dann die Erkenntnis, die Agentur für Arbeit hat nur diese Aufgabe. Etwas anderes ist gar nicht vorgesehen im Gesetz.
Viele Bewerbungen sind unterwegs.
Dann kommen reihenweise die Absagen. Wenn mal ein Vorstellungsgespräch winkt, schießt der Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen. Die Hoffnung bordet über, und die Enttäuschung, wenn es nicht klappt, ist fast nicht zu ertragen.
In der Nachbar- und Verwandtschaft sollte möglichst nicht Publik werden, dass man erwerbslos ist. Sonst fällt man - wie es so schön heißt - "aus dem Rahmen".
Die gut gemeinte Frage, von denen die wissen, dass man erwerbslos ist, "na, hast du schon wieder einen Job" wird mit der Zeit zu einer Frage, die man nicht mehr hören oder ertragen kann. Und die Zeit vergeht.
Mit all diesen beschriebenen Dingen - und im persönlichen Fall
sicher noch mit Vielem mehr - sind Betroffene alleine.
Und wissen oft nicht, wie es weitergeht.
Dies ahnten die Gründer von myself, und wollten es so nicht erleben.
Sie wollten sich nicht isolieren lassen und beschlossen, für sich selbst und in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.
Deshalb gründeten diese 33 Personen
am 5. Oktober 2004
selbstbewusst den Verein myself e. V.
Dieser Name ist entstanden aus
| MY PEGASUS | SEL | /ALCATEL |
| my+ | sel+ | f |
Jetzt kann die Frage beleuchtet werden,
Was macht myself anders?
Einiges haben Sie vorher schon gesehen, als sich die Gruppen präsentierten.
Die Gruppen zu den verschiedensten Themen entstehen, weil es die Mitglieder selbst so wollen und brauchen. Und überall kann man mitmachen!
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit Erwerbslosigkeit zu tun hat. Wie zum Beispiel die Gruppe Aktien/Börse. Doch die Menschen in dieser Gruppe sind auch ihren Job losgeworden, nur im Unterschied zu vielen anderen mit einer komfortablen Abfindung.
Bei myself konnten sie eine Gruppe installieren, in der sie sich austauschen oder gegenseitig informieren können und nicht nur auf die Beratung bei Banken oder Versicherungen angewiesen sind, die Geld verdienen wollen.
Für neue Interessenten muss ich dieser Stelle allerdings hinzufügen, diese Gruppe hat die maximale Gruppengröße erreicht, mit der sinnvolles Arbeiten möglich ist. Bei Interesse kann eine neue Gruppe entstehen.
Was jedoch viel wichtiger ist, - neben den Themen in den Gruppen - ist die Möglichkeit des sozialen Kontaktes.
Des Austausches mit ebenfalls Betroffenen, des Wissens, hier werde ich verstanden, hier kann ich mitarbeiten, sogar neue Ideen einbringen und umsetzen.
Wie wichtig dieser soziale Kontakt für Erwerbslose ist, war gestern in der Radiosendung "Leute heute" des SWR1 zu hören. Dort wurde unter anderem berichtet, wenn Erwerbslose in dieser Situation alleine bleiben, haben sie nach wissenschaftlichen Untersuchungen eine kürzere Lebenserwartung, weil lebensnotwendige Dinge, wie gebraucht werden, Anerkennung und das soziale Umfeld fehlen.
Dies berichtete der Arzt Dr. Renz-Polster, der sich mit der Evolution unserer Kinder beschäftigt.
Zurück zu myself.
myself ist inzwischen im Stuttgarter Raum bekannt geworden. Von anfänglich 250 Mitgliedern stieg die Zahl inzwischen auf über 400, und sie kommen aus allen Bereichen und Firmen. myself besteht also nicht mehr nur aus ehemaligen SEL/ALCATEL-Mitarbeitern.
Dies geschah nicht nur durch Mundpropaganda,
sondern im Jahr
2007 auch durch den Gewinn des Stuttgarter Bürgerpreises in der Kategorie Innovation. Diese Anerkennung nach drei Jahren Arbeit war eine wirkliche Überraschung und hat uns sehr gefreut und angespornt.
Die Teilnahme 2008 - bei startsocial - dem bundesweiten Wettbewerb von Ehrenamtsgruppen -, brachte myself ein Stipendiat ein, mit dem Ergebnis, dass wir unsere Arbeit heute sehr gut präsentieren können, sowohl im Internet, als auch auf Papier und heute hier.
Und nicht zuletzt sind wir bekannt geworden, über etliche Artikel in Zeitungen, Beiträgen über den Hörfunk
und bei der Gründung von myself wurde im SWR Fernsehen berichtet
Seit 2006 wirkte myself mit bei Veranstaltungen im Haus der Wirtschaft
zum Thema "Jugendwahn"
einer Veranstaltung des Wirtschaftministeriumsoder bei den Veranstaltungen von "Pro Arbeit"
Auch im Theaterhaus Stuttgart war myself aktiv
2006 mit einer Podiumsdiskussion
dazu waren Vertreter der Politik und zwar "aller Farben" zum Thema "Zukunft ohne Arbeit - Arbeit ohne Zukunft" eingeladen
im folgenden Jahr stand die Veranstaltung unter dem Titel(2007)
"Zukunft der Arbeit - Arbeit der Zukunft"
jedoch diesmal aus der Sicht von Philosophen
und2008 war es eine Veranstaltung zum Thema
"Bedingungsloses Grundeinkommen"
Sie sehen, myself mischt sich ein, bündelt die Belange von Erwerbslosen und bringt sie entsprechend zu Gehör und denkt laut über die Zukunft der Arbeit nach.
Bei diesen ganzen Aktivitäten sind gute Kontakte entstanden
zu Vertretern von Wirtschaft und Politik
kirchlichen Einrichtungen
Gewerkschaften
Agenturen für Arbeit oder ARGen
und den Medien
Trotz vieler ernster Themen wird auch darauf geachtet, dass gemeinsame Unternehmungen nicht zu kurz kommen.
So kann ich berichten über verschiedene
Frühlings-/Herbstfeste oder
Ausflüge zum Beispiel nach Speyer, Oberschwaben oder Hohenlohe und
Nicht zu vergessen, die Aktivitäten in den verschiedenen Regionalgruppen, wo man mindestens einmal im Monat unterwegs ist
Dafür, dass am Anfang keiner eine Ahnung hatte, was daraus wird, ist myself inzwischen ein sehr lebendiger Verein geworden, in welchem Menschen, die aufgrund äußerer Umstände aus den Schienen gehoben wurden, sich selbst wieder eine Spur legen können.
Die Erwerbslosigkeit wird nach unseren bisherigen Erfahrungen vorläufig ein Teil des gesellschaftlichen Lebens bleiben.
Weiter zeigt uns die Erfahrung, dass die große Politik - warum auch immer -
neue, innovative Wege schwer gehen kann.Die Umbrüche in Technik und Wirtschaft sind zu groß und rasant. Der Zusammenschluss Europas und die Globalisierung sind zusätzliche Herausforderungen.
Wir glauben, die Menschen müssen selbst ausprobieren, was für sie und die Gesellschaft gut ist und
dies dann Schritt für Schritt in das gesellschaftliche Leben einbringen.
Wir sind überzeugt, dass durch viele kleine, evolutionäre Schritte von vielen Neues entstehen wird.
Ja, das wollte ich sagen zu oder über myself.
Zu diesem Erfolg - der auch mich immer noch staunen lässt -
gratuliere ich dem
in Deutschland einmaligen Verein myself
und kann ihn mit sehr guten Gewissen zur Nachahmung empfehlen.
Gisela Langjahr
Vorsitzende myself e. V.

Wir über uns